Wir sind in Afrika!!!

Wir sind in Afrika!!!

8. November 2021 0 Von Siggi

Also, die Fähre ging Montag Abend 20.00, offiziell…

Wir hatten das Gefühl doch irgendwie früher als spätestens 16.00 da sein zu müssen. Das war gut so. Der Hafenbereich ist relativ klein und unscheinbar, deshalb waren wir morgens um 09.30 bereits da. Ob wir da warten oder auf irgendeinem Parkplatz war ja egal. Und siehe, da waren schon mindestens 100 Fahrzeuge da, hoch bepackt, wie es in Deutschland unmöglich wäre, nur mit ein paar Schnüren verzurrt. Das war schon bisschen Little Afrika, besonders auch weil wir bis dahin die einzigsten Europäer und die einzigsten Overlander waren. Na dann auch gleich einchecken und dafür erstmal zwischen lauter entspannten Marokkanern 1 1/4 Stunde Schlange stehen.

Am Nachmittag vorher waren wir am Stadtrand von Séte nochmal Wäsche waschen und wurden dabei von einem deutschen Ehepaar zum übernachten vor deren Haus eingeladen. In einer ruhigen Sackgasse konnten wir prima schlafen und durften sogar nochmal Wasser tanken. Als Bezahlung sollten wir dafür von unserer Reise erzählen, haben wir gerne gemacht. Die Beiden hatten wohl an uns einen Narren gefressen, denn zum Verabschieden kamen sie auch in den Hafen. Viele Reisende haben sich im angrenzenden Einkaufsviertel mit Lebensmitteln, Handys, o.ä. eingedeckt. 

Da haben wir erst gemerkt, dass 2 Fähren gleichzeitig fahren und eingecheckt werden, also Chaos pur und dadurch natürlich fast 6 Stunden Verspätung. Witzig war dabei auch, dass während der Auffahrt vom Hafen auf die Fähre, plötzlich für eine Stunde alle Tore geschlossen wurden. Ich dachte schon der Kahn ist voll, aber nach ein bisschen durchfragen wurde mir wie selbstverständlich gesagt – Abendessen! Naja wir hatten ja Zeit, um 01.30 gings dann los.

Zum Glück hat mit unserer 3er Kabine alles geklappt und wir sind für uns geblieben – jiiiihhaaa.

Wir sind unterwegs!

Ich hatte ja gedacht, wir sehen im Hafen noch weitere LKW als Mitfahrer, aber dem war nicht so, nur einen Franzosen haben wir kennengelernt mit einem Toyota Allradcamper. Pünktlich zur Überfahrt war auch der Sturm vorüber und wir hatten eine zwar immer noch windige, aber ruhige Überfahrt.

Der Käpt’n hat zwar alles gegeben und am Zielhafen Tanger, Marokko hatten wir nur noch 1,5 Stunden Verspätung, aber halt stockfinster.

Marokko, wir kommen!

Die Abfertigung in Tanger ist alles nagelneu, sah richtig gut aus, aber das afrikanische Chaos war noch das gleiche. Nach Polizei, Zoll und ein paar Euros in Dirham tauschen, sind wir gegen 22.30 aus dem Hafenbereich raus, in die dunkle afrikanische Nacht, noch ohne zu wissen wo wir schlafen können. Im Gegensatz zu uns ist aber unserem Moggel die Überfahrt nicht bekommen. Ich wiederhole, er ist ein 36 Jahre alter LKW. LKW’s haben auch heute noch ein hydraulisches Bremssystem, Luftdruck unterstützt. Heißt aber ohne Luft gehen die Bremsen nicht auf und die Karre bewegt sich nicht vom Fleck. Und ausgerechnet jetzt lässt das Leitungssystem Luft ab – ein Leck. Mit viel Gas und wenig Bremse habe ich den Mog noch raus aus dem Hafen auf die nächtlichen marokkanischen Straßen bugsiert und Steffi schon mal drauf vorbereitet, dass wir wenns blöd läuft irgendwo in der Pampa stehen bleiben und bis zum Morgen ausharren müssen. Aber die Reisegeister waren uns wieder hold. Wir Habens bis ins nächste Dorf an eine Tankstelle geschafft, die noch auf hatte. Dann ging nichts mehr. Wir durften auf dem Gelände übernachten und der Mechaniker auf der anderen Straßenseite wurde für den nächsten Morgen auch schon klar gemacht.

Unser 1. Übernachtungsplatz, mit der letzten Luft auf der Bremse angekommen.

Nach einer Stunde Schrauberei (ich hatte zum Glück die nötigen Teile dabei) war alles wieder dicht, schnell noch getankt für unter einem Euro und auf nach Chefchaouen, die blaue Stadt. Hier waren wir 2 Nächte auf dem einzigen Camp, das eigentlich wegen Corona noch zu hatte. Zum Aklimatisieren wollten wir aber erstmal beruhigt für die nächsten 2 Nächte stehen und haben zu Fuß die Medina, die Altstadt erkundet.

Hier haben wir auch  Geld mit der Kreditkarte geholt, mit den ersten Teppichhändlern diskutiert und unsere erste Tajine gegessen. Die Tajine ist ein marokkanisches Tongefäß mit spitzem Deckel, in dem alle möglichen Varianten gekocht werden, je nach Verfügbarkeit der Lebensmittel. Die Bilder der blauen Stadt sprechen sicher für sich alleine – ein Traum. Hier haben wir auch unseren Franzosen wieder getroffen. Nächste Station ist Fes, die alte Königstadt und älteste Stadt Marokkos. Dahin geht natürlich eine gut ausgebaute Fernstraße, aber wir sind schließlich mit dem Unimog hier und fahren eine deutlich abenteuerliche Route durch die Berge und übernachten das erste Mal wild an einem See.

Unterwegs im Rif Gebirge, an jeder Ecke Hasch im Angebot.

Ausser ein paar Fischern kommt auch niemand vorbei und wir hatten eine sehr ruhige Nacht. Nach ein paar kleinen Wartungsarbeiten gings dann weiter nach Fes.

Siggi füllt Öl ins Radvorgelege nach.

Wir dürfen hier auf dem Parkplatz des geschlossenen Schwimmbades stehen. Da dieser sonst für Besucher gesperrt ist, sind wir hier alleine und werden auch noch bewacht. Morgen gehen wir dann in die größte und älteste Medina Marokkos, ich denke für 2 Tage und dann weiter gen Osten der Wüste entgegen 🙂